
Die Königsteiner aus Sachsen (links, in weißen Shirts) haben sich einiges vorgenommen.
Moralische Unterstützung gab es von den Freunden aus dem Taunus am Abend vor dem Start.
Von Harald Konopatzki
Zu Fuß von der
Partnerstadt nach Hause laufen seit gestern 18 Hobbysportler aus
Königstein/Sachsen. Und dabei können sie froh sein, dass ihr Ort
nicht schon zur Römerzeit gegründet wurde…
Königstein. Vom
Rathaus zu Fuß einen anderen Punkt in Königstein zu erreichen stellt
für halbwegs fitte Menschen keine große Herausforderung dar. Vom
Rathaus zu einem Punkt in einem anderen Königstein (in Sachsen) zu
laufen hingegen schon. Insbesondere, wenn man sich zum Ziel gesetzt
hat, dabei auch gleich noch das dritte Städtchen gleichen Namens (in
der Oberpfalz) und die tschechische Partnerstadt Trmice zu
durchqueren. 18 Sachsen sind seit gestern früh, 6 Uhr, auf dem Weg
zurück in ihre Heimatstadt – schon morgen wollen sie die Festungs-
und ehemalige Uranbergbaustadt erreicht haben. Das Ziel ist
ambitioniert: Bei einem Schnitt von 10 Kilometern pro Stunde wollen
sie rechtzeitig zur 630-Jahrfeier des Ortes am Samstag um Punkt 21
Uhr die letzte Etappe von Bad Schandau zu den Elbwiesen absolviert
haben.
«Wir haben eine Route geplant, die laut GPS exakt 630
Kilometer lang ist – für jedes Jahr in der Stadtgeschichte also
einer», erklärt Holger Wegner, der zusammen mit Michael Weidemann
binnen eines halben Jahres die Organisation der minutiös geplanten
Tour übernommen hat. Denn klar ist, dass es in 63 Stunden nicht zu
schaffen wäre, wenn alle gleichzeitig liefen. «Wir wechseln uns ab.
Erst 8-Stunden-Schichten, dann in etwas kürzeren Abständen. Gelaufen
wird aber rund um die Uhr», verdeutlicht Wegner das Konzept.
Im großen Road-Book sind alle Etappen als Karten hinterlegt, farbige
Kästen markieren die Zeit- und Streckenabschnitten, die die
einzelnen Gruppen zu absolvieren haben. «Dazu haben wir
Begleitfahrzeuge, die die Läufer, die jeweils Pause haben, fahren.
Zur Unterstützung fährt den Leuten außerdem immer ein Fahrrad
voraus.» Denn auch wenn die Tour über weite Strecken parallel zur
Autobahn 3 läuft – nicht immer werden Strecken gelaufen, auf denen
Autos auch fahren können.
Die gewagte Aktion ist kein
unüberlegter Schnellschuss. Die Volleyballgemeinschaft hat die Tour
in der Vergangenheit bereits mit dem Fahrrad zurückgelegt, damals
sogar als Gruppe ohne sich abzuwechseln. Für die neue
Herausforderung haben sich die Läufer zum Teil intensiv vorbereitet.
So waren einige beim Görlitz-Halbmarathon dabei, andere haben am
anspruchsvollen Königsteiner Festungslauf teilgenommen.
Großer Bahnhof an der Elbe
Damit sich die
Sportler vor dem Start erholen konnten, hatten die Stadt und der
Partnerschaftsverein den Läufern die Schneidhainer
Heinrich-Dorn-Halle für die Nacht zur Verfügung gestellt –
Übernachtung und Spaghetti-Essen inklusive. Auch in Königstein in
der Oberpfalz ist eine Halle hergerichtet, in Tschechien wird
gezeltet. Von den Rahmenbedingungen stimmt also alles. Wenn das
Wetter mitmacht, steht den Sportlern morgen um 21 Uhr nicht nur ein
großer Empfang bevor – beim großen Fest können auch die verbrauchten
Kalorien wieder reingeholt werden.
Die Sachsen haben es
übrigens am einfachsten, einen solchen Geschichtsmarathon
zurückzulegen. Immerhin wurde der Ort «erst» 1379 erstmals erwähnt.
Die Hessen müssten 2015 zur 800-Jahrfeier der Ersterwähnung schon
einen größeren Umweg einplanen, um ihre Geschichte auf dieselbe Art
abzulaufen. Am schwersten hätten es jedoch die Königsteiner aus der
Oberpfalz: Hier wären noch mal 85 Zusatz-Kilometer fällig, wenn es
nach der ältesten Urkunde geht, in der der Ort 1130 auftaucht.
In ihrer Heimat werden die Elb-Königsteiner auch von fast 50
Königsteinern aus dem Taunus empfangen. Der Bus startet heute um 10
Uhr. Mit an Bord ist auch Bürgermeister Leonhard Helm. Die Rückreise
steht für Sonntag an.