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Alpinistik

Wildspitze 2001

Am 19.07.01 ging es für unsere Hochtourengruppe das erste mal in diesem Jahr in Richtung Alpen- genauer gesagt ins schöne Engardien (Schweiz). Nachdem wir den Wintersportort St. Moritz (landschaftlich sehr schön gelegen, aber bestimmt im Winter mit mehr Charme) hinter uns gelassen hatten, stellten wir das Auto bei der Station Morteratsch der Bernina-Bahn ab. Der Berg, welcher der weltberühmten Bahn seinen Namen gegeben hat, war das Ziel unserer Tour. Das Wetter war gut, so dass wir die imposante Nordwand des Piz Pälü und unsere Route über den Fortezzagrat einsehen konnten. Mit dem Aufstieg in die 2438 m hoch gelegene Boval-Hütte rückten wir der Bergwelt der Bernina näher. 

Was am nächsten Morgen folgte, war Ernüchterung pur! Ein dicker Wolkenschleier hüllte sich um die Boval-Hütte, nach Rücksprache mit dem Hüttenwart entschlossen wir uns abzusteigen. Unseren Plan über den Piz Palü die 3688 m hoch gelegene Marco e Rosa-Hütte zu erreichen, um am darauf folgenden Tag über den Spalla- Grat den Piz Bernina zu erreichen, konnten wir aufgrund von fast einem Meter Neuschnee vergessen. Wintereinbruch in den Alpen eben.

So entschieden wir uns, einen technisch nicht so anspruchsvollen, aber attraktiven Aussichtsberg zu erklimmen. Das Wetter sollte besser werden und so entschieden wir uns zur Wildspitze umzusetzen. Nach vier Stunden Fahrt über den Ofenpass, durch das Vinschgau und das Timmelsjoch kamen wir im Venter-Tal an. Gegen 19:00 Uhr gingen wir die 900 Höhenmeter zur Breslauer-Hütte an. Nach 2,5 Std. Aufstieg kamen wir etwas geschafft und im Schneetreiben an. Wer bisher dachte um 22:00 Uhr geht auf den Berghütten das Licht aus, der musste sich hier eines Besseren belehren lassen. Um diese Zeit servierte uns das sehr freundliche Hüttenpersonal noch ein warmes und sehr gutes vier Gänge-Menü!

Der Samstag konnte im Vergleich zu den Westalpen ruhig angegangen werden. Das Wetter sollte nach leichter anfänglicher Bewölkung besser werden. Das Frühstück stand dem bereits erwähnten Menü in nichts nach. Und so machten wir uns in aller Ruhe 8:15 Uhr auf die Socken.

Über den Mitterkarferner erreichten wir bei optimalen Bedingungen (der aufgelegte Sonnenschutz sollte bei Einigen nicht reichen!) das Mitterkarjoch (3468 m). Nach einer Pause konnten wir bald den Gipfelaufbau der Wildspitze erkennen. Was wir dann sahen, erklärte den gut gespurten Weg. "Oberflächlich" gezählt konnten 43 Bergsteiger am felsigen Gipfelaufbau ausgemacht werden. Wie ein Ameisenhaufen! 

Der verspätete Aufstieg erwies sich als gut gewählt. Nicht nur das das Wetter immer besser wurde, nein auch der Gipfel gehörte uns allein. Und die Aussicht von dem höchsten Berg Tirols erfüllte was sie versprach. Im Süden konnten wir klar Ortler, Zebru und Königsspitze ausmachen. Weiter im Westen sahen wir deutlich die eigentlichen Ziele unserer Tour: Piz Palü und Piz Bernina- jetzt wolkenlos.

Am Gipfelaufbau der Wildspitze Der Gipfelgrat- nur noch wenige Schritte Wolfram Tschuk, Norbert Jackel, Andreas Heinrich auf dem Gipfel der Wildspitze 21.07.01 Bild: Ricco Dunsch

Nach einen geruhsamen Abstieg erreichten wir ohne Schwierigkeiten die Breslauer-Hütte. Im Abstieg begegnete uns ein 76jähriger Bergsteiger, sein letzter Berg- sagte er. Seine Seilschaft lachte und meinte, dass sie diese Worte schon seit Jahren hörten- Respekt!

Der Tag neigte sich auf der Sonnenterasse, umgeben von einer herrlichen Bergwelt, seinem Ende.

Unsere Zeiten:
Aufstieg            08:15 bis 13:00
Abstieg             13:20 bis 15:50

PS: Auf der Breslauer-Hütte sollte man nicht auf die Idee kommen seine Hüttenschuhe (Badelatschen) in den Trockenraum mit den Bergschuhen zu tauschen. Einige Bergfreunde sind der Meinung sie könnten sich einfach bedienen. Die Schuh standen am Sonntag morgen wieder da. Bloß gut, dass diese Leute nicht mit Hüttenschuhen aufsteigen... Sonst wird uns die Breslauer-Hütte immer in sehr guter Erinnerung bleiben und immer eine Reise wert sein!

Wer bei schönem Wetter einen Aussichtsberg der ersten Klasse genießen will und noch keine Erfahrung mit Gletschern hat, dem kann bei entsprechender Ausrüstung (Pickel, Steigeisen und Seil) die Wildspitze nur empfohlen werden.

Norbert Jackel, Wolfram Tschuk, Ricco Dunsch, Andreas Heinrich im Juli 2001

 

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